Stefan Toth – Lebendiger Entwurf mit Methode

Im August haben wir Stefan Toth von OOSE zu einem mehrtägigen Workshop mit dem Titel “Softwarearchitektur – Lebendiger Entwurf mit Methode” bei uns begrüßen dürfen.

“Dieses Seminar fokussiert auf den methodischen Aspekt der Architektur-entwicklung. Die Inhalte sind nicht an die Rolle eines Architekten gebunden und somit auch für agile Projekte interessant, in denen Architektur kollaborativ im Team entsteht. Zentrale Fragen: Wie entsteht Architektur? Welche Basis ist nötig? Welche Techniken helfen? Wie werden Entscheidungen getroffen und kommuniziert? Wie geht man mit Fachlichkeit um? Wie adressiert man technische Fragestellungen? Wie passt Design ins Bild? Welche Techniken gibt es für effektive Zusammenarbeit?” (OOSE)

Wie gewohnt die Gelegenheit für ein kleines Interview:

Stefan, stell Dich und Oose doch mal in ein paar Sätzen vor:
Oose ist eine kleine Beratungsfirma und eine große Familie. Die Themen werden von den Mitarbeitern sehr individuell vorangetrieben und deshalb auch sehr begeistert umgesetzt. Das Spannendste ist für mich dabei die Vernetzung der einzelnen Themen unterschiedlicher Gebiete, wie Agilem Projektmanagement, BPM und eben Technischen Themen rund um Softwarearchitektur. Ich bin jetzt über 3 Jahre dabei und helfe Projekten bei der Architekturentwicklung und –bewertung, sowie der technischen Umsetzung. Und ich hab Spaß dabei.

Was bedeutet für dich Software-Architektur?
Knifflige Sache, wenn man nach „Bedeutungen“ fragt. Ohne jetzt philosophisch zu werden würde ich sagen, dass pragmatische Arbeit an der Architektur für mich einfach gutes Risikomanagement ist. Ich versuche einfach mit analytischen Mitteln, mit Planung prototypsicher Umsetzung und Messung risikoreiche Anforderungen klarer zu fassen bevor ich grundlegende, schwer zurückzunehmende Entscheidungen treffe.

Wie bist du zu dem Thema gekommen?
Eigentlich per Zufall. Mein erster Chef bei Siemens war begeistert von modellgetriebenen Ansätzen und hat mir die konzeptionelle Ecke der Softwareentwicklung näher gebracht. Ich habe mich in meinen Praktika mit MDA und Modellierungstools wie Rational Rose beschäftigt. Auch wenn meine heutigen Ideen zu Softwarearchitektur deutlich anders aussehen als damals, ist die Faszination für das Thema sicher davon geprägt.

Was sind für dich die spannendsten Entwicklungen im Bereich Software-Architektur?
Am spannendsten finde ich generell eigentlich die Diversifizierung im Lösungsspektrum. Trend-Hypes wie Cloud und Mobile sind zwar sehr abgedroschen, haben aber auch dafür gesorgt, dass Nischenprodukte hohe Aufmerksamkeit bekommen. Extreme Verteilung und Echtzeitanforderungen treffen immer mehr Anwendungen und die Kreativität wird auch im Architekturbereich größer. Die Arbeit an der Architektur wird damit spannender. Node.js, HTML 5, Sockets oder Atom, NoSQL, die Deploymentoptionen über IaaS-Anbieter, u.s.w. – alles spruchreif…

Wie hat sich die Rolle des Software-Architekten im Kontext agiler Methoden gewandelt?
Das lässt sich allgemein eigentlich nicht sagen. Viele Leute behaupten den Architekten gibt es als Rolle nicht mehr, einige behaupten man braucht gar keine Architekturarbeit mehr. In der Praxis wird es immer risikoreiche Anforderungen geben die mehr oder weniger Architekturarbeit erfordern – Egal wer sie macht. Was Agilität am ehesten bewirkt hat, ist gestiegene Flexibilität im Umgang mit dem Thema. Der agile Architekt wird deshalb wohl Aufwände genauer auf die Anforderungen und Risiken abstimmen und weniger nach Plan arbeiten.

Deine Top-5-Empfehlungen für jeden Software-Architekten:

  1. Arbeite nicht alleine
  2. Arbeite nie im Luftleeren Raum (ohne konkrete Qualitätsanforderungen)
  3. Bewerte deine Entwürfe methodisch fundiert
  4. Implementiere
  5. Ruf hi und da deine Mutter an

 

Die größten Fehler denen du immer wieder im Bereich Software-Architektur begegnest:
Die Probleme in Projekten sind immer individuell. Natürlich erkennt man Muster. Ohne eine konkrete Projektsituation hüte ich mich aber vor allzu klugen Ratschlägen. Die findet man im Netz schon zu Hauf.

Welche Blogs, Bücher und Konferenzen kannst du empfehlen?
Blogs: eigentlich die Klassiker

Bücher: Neue Bücher sehe ich mir hier und da an, blättere sie durch und bin dann meistens enttäuscht.

Konferenzen: Ich bin meistens auf den Jax-Konferenzen und auf kleineren Events bei denen interessante Leute sprechen. Persönlich denke ich mittlerweile der Sprecher ist wichtiger als das Thema…

Deine letzten Worte:
Mal sehen. Da habe ich hoffentlich noch etwas Zeit.

Vielen Dank Stefan für deine Zeit, das Interview und vor allem den sehr guten Workshop. Besonders die Vermittlung relevanter Theorie, kombiniert mit der Flexibilität auf  ICANS-spezifische praktische Herausforderungen einzugehen, ist bei unseren Entwicklern und Architekten sehr gut angekommen.

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